Freitag, 31. Januar 2014

Frau Berger wird unsichtbar


 
Taschenbuch; 224 Seiten
 
CreateSpace Independent Publishing Platform
 
ISBN-10: 1494253682
ISBN-13: 978-1494253684
 
€ 9,90
 
***
 
Inhalt in meinen Worten
 
Frau Berger und David wohnen in einem Haus ... kennen sich aber gar nicht so richtig.
Erst, als David der verwirrten, alten Dame in die Wohnung hilft, befasst er sich mehr mit seiner Nachbarin, die ihm leid tut, weil sie so alleine ist.
Immer wieder besucht er sie und erfährt so von ihrem Leben, ihrer Jugend, ihrer Tochter und ihrer beruflichen Karriere.
Es verbindet sie sogar etwas ...
 
Meine Meinung
 
Frau Berger hatte ein tolles Leben. Es war nicht immer leicht für sie ... sie wurde früh schwanger von einem verheirateten Mann, der dann auch noch im Krieg verunglückte, aber sie hat nie den Mut verloren, hat sich immer versorgen können, ihre Eltern untersützt und auch viel erlebt.
Aber zu sehen, wie es dann zum Schluss ist ... das macht mir richtig Angst.
 
Diese Geschichte hat mich sehr mitgenommen. Ganz oft hatte ich Tränen in den Augen beim Lesen.
Kerstin Michelsen hat hier ein Thema aufgegriffen, welches uns alle angeht, denn mit viel Glück werden wir alle mal so alt wie Frau Berger.
Als Kind hatte ich immer Angst vor dem Tod ... keine Ahnung warum, denn ich hatte eine schöne Kindheit und alle meine Lieben waren immer da.
Jetzt, wo ich älter bin, eigene Kinder habe und man immer wieder liebe Familienmitglieder verliert aufgrund von Krankheiten und ihres Alters, da befasst man sich schon intensiver mit dem Thema.
Solange man jung und gesund ist, ist man lebensfroh, hat Spass, Freunde ... wird man aber älter und kann nicht mehr so viel leisten wie ein junger Mensch, dann vergessen einen die Menschen schonmal.
Hat man dann auch niemanden in der Nähe, so wie Frau Berger, sieht der Lebensabend trostlos aus.
Diese Geschichte hat mich persönlich angesprochen, weil ich vor genau 4 Wochen mit meinem Mann und unseren Kindern in eine neue Stadt gezogen bin.
Ich habe meine Grosseltern und meinen Vater zurückgelassen.
Mein Vater ist noch fit, aber meinen Grosseltern haben wir schon viel helfen müssen beim Einkaufen usw.
Sie waren sehr traurig, als sie von unserem Umzug gehört haben. Man sieht sich jetzt viel weniger und das war für mich sehr schwer ... zumal man ja auch nicht weiss, wielange man sich noch hat.
Bei Frau Berger ist es ja ganz ähnlich.
Ihre Tochter lebt allerdings gleich in einem ganz anderen Land und kann ihre Mutter nur alle paar Jahre besuchen.
Zu wissen, dass die Mutter/bzw. Grosseltern alt und gebrechlich, ganz allein in einer Wohnung weit weg wohnt und man kaum mitbekommt, wie es ihr/ihnen geht, finde ich schrecklich.
Beunruhigend!
 
Aber andererseits muss man sich auch um sein eigenes Leben kümmern - das Beste daraus machen.
Für manche mag es egoistisch klingen, aber das Leben ist kurz und Frau Berger hat ihren Beruf auch geliebt und dafür wenig Zeit für ihre einzige Tochter gehabt, die dann zum Glück von ihrer Mutter aufgezogen wurde.
 
David, ein Student, der noch nicht so richtig weiss, was er mit seinem Leben anfangen soll, dem der Spass momentan wichtiger ist, als alles andere, lernt mit Frau Berger, wie das Leben wirklich ist.
Sie kommt aus einer ganz anderen Zeit als er.
In ihrer Jugend herrschte Krieg, es gab wenig zu essen, die Stadt war zerstört, zum Feiern war kaum einem zumute.
David trinkt zuviel und schleppt regelmässig andere Frauen ab ... er weiss gar nicht, was Verantwortung bedeutet.
Er geniesst seine Jugend ... und dann sieht er, wie es im Alter aussehen könnte.
Ich glaube, dass es ein ganz schöner Schock erst für ihn war, zu sehen wie Frau Berger lebt.
Das Leben soll Spass machen, aber man sollte nie den Ernst vergessen und auch nicht die Menschen, die "unsichtbar"  bei uns sind, weil viele nicht sehen wollen, wie es ist, wenn man älter und gebrechlicher wird.
Ein schönes Buch, das wirklich zum Nachdenken anregt!
 

1 Kommentar:

  1. Das Buch klingt wirklich schön.
    Ich sehe meinen Opa jedes zweites Wochenende und mache dort die Treppe und wische in der Wohnung. Ich habe zwar selber viel zu tun aber bisher habe ich es noch nicht abgegeben weil ich ehrlich gesagt nicht wüsste, wie oft ich sonst hinfahren würde. Man ist dann einfach selber so beschäftigt. Man macht es ja nicht mit Absicht.
    Wenn ich so eine Frau Berger im Haus hätte, würde ich sie wohl auch regelmäßig besuchen. Ich bin in diesen Dingen nämlich sehr Emotional. Bei mir kommt es auch vor, wenn ich beim Einkaufen eine ältere Dame mit vielen Taschen sehe, dass ich sie frage ob ich sie fahen soll. Denn wenn man älter ist, würde man sich auch die Hilfe wünschen.
    Zum Glück sind in meiner Familie aber alle noch recht fit :-).

    Danke für deine tolle Rezension, die auch so viel Einblick in dein Leben gegeben hat.
    Ich werde mir das Buch auf jeden Fall mal vormerken.

    Liebe Grüße,
    Vanessa

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